Heilsame Architektur: Moderner Spitalsbau

Wie muss ein Krankenhaus gestaltet sein, dass es ein angenehmer Ort wird? Vier Beispiele zeigen, wie ein modernes Behandlungsumfeld aussieht.

Eigentlich ist der Spitalsbau kein Thema, das die breite Öffentlichkeit beschäftigt. Doch die Corona-Krise führt uns vor Augen, welche Anforderungen an Krankenhäuser und damit an deren Bauweise gestellt werden. Einerseits müssen der reibungslose Ablauf aller Behandlungen und hygienische Standards gewährleistet sein. Andererseits benötigen Patienten und Personal eine angenehme Atmosphäre, in der sie arbeiten und genesen können.

Bruno Klomfar

Das von Habeler & Kirchweger gestaltete 350-Betten-Haus in Mödling ist in drei Pavillons mit unterschiedlichen Schwerpunkten angelegt 

Architekten müssen all diese Aspekte in Einklang bringen. „Es ist eine Symbiose von medizinischer Funktionalität und guter Aufenthaltsqualität“, sagt Paul Katzberger. „Schon der erste Eindruck, den man beim Betreten hat, kann zum Untersuchungs- und Heilerfolg beitragen. Das Gebäude sollte Behaglichkeit vermitteln und Orientierung bieten.“ Gemeinsam mit Habeler & Kirchweger Architekten realisierte er das Klinikum in Mödling. Der Neubau beherbergt 350 Betten und ist in drei Pavillons mit unterschiedlichen Schwerpunkten angelegt.  

 

Damit Patienten und Personal von einem guten Umfeld profitieren, muss so geplant werden, dass sich Blickbezüge nach draußen ergeben. Katzberger: „Patienten brauchen einen Tagesrhythmus, der im ganzen Haus spürbar ist. Und die Räume sollten Außenbezüge haben und die Natur oder das Stadtbild hereinholen.“ Ein kleines Detail, das viel bewirkt: Der Blick auf grüne Freiräume wirkt beruhigend und fördert die Heilungschancen. Positiv wirkt sich auch aus, wenn die technischen Geräte im Verborgenen bleiben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Erfolge besser sind, wenn die Maschinen nicht sichtbar sind. 

Hueber, archphoto/ Baumschlager Eberle Architekten

Tageslichthell und klar: Krankenhaus Bregenz von Baumschlager Eberle Architekten.

Nicht immer kann ein Krankenhaus neu gebaut werden, sondern muss bei laufendem Betrieb modernisiert werden - eine logistische Herkulesaufgabe. Wie etwa in Vorarlberg in Bregenz, wo der Bestand aus den 1970er-Jahren erweitert und auf den neuesten Stand gebracht werden sollte. Über eine Bauzeit von 18 Jahren ergänzten Baumschlager Eberle Architekten das Haupthaus um zwei neue Anbauten. Sie optimierten interne Abläufe, schufen neue Verbindungen, kürzere Wege und werteten die Patientenzimmer auf. Das Ganze umhüllten sie mit einer Fassade aus hellem, opaken Glasscheiben. „Die Herausforderung war, den optisch-haptischen Gestaltungsanspruch mit den medizintechnischen, pflegerischen und hygienischen Vorgaben zu vereinbaren“, so die Architekten.

lisamathis.at/Mathis Lisa

Durch die grobmaschige Streckmetallfassade dringt Tageslicht in den OP-Bereich (Dornbirn).

Auch in Dornbirn wird das städtische Krankenhaus in Etappen saniert und erweitert: Marte.Marte Architekten realisieren einen neuen OP-Bereich mit sieben Sälen, zentraler Einleitung, Umbett- und Aufwachraum und einem Fast-Track-Bereich für kleine operative Eingriffe. Auch die angrenzende Zentralsterilisation des Krankenhauses wird komplett erneuert.

Gelöst wurde die Aufgabe mit einem L-förmigen Zubau auf V-Stützen, der den Bestandsbau aus den 1970er-Jahren umgibt. Eine Fassade aus schwarzem Streckmetall schützt vor Einblicken. Zugleich lässt sie Licht herein und gibt den Blick nach draußen auf die vorbei fließende Ach frei. Die Beleuchtung trägt zum freundlichen Raumklima bei: Sie bildet den Verlauf der Sonne von früh bis spät nach und ergänzt so das Tageslicht auf eine natürliche Art und Weise. So kann  selbst der OP-Saal zum Ort mit Wohlfühlcharakter werden.