Ex-Skispringer Bastian Kaltenböck: "Lebe jetzt für den Genuss"

Zu Besuch bei Ex-Skispringer und Neo-Winzer Bastian Kaltenböck: Wie er in der Südsteiermark seine Neue Heimat fand.

Auf seine frühere Profession weist im ersten Moment nichts hin: Zu Besuch am Weingut „Neue Heimat“, bei Ex-Skispringer Bastian Kaltenböck am Sernauberg, etwa zehn Autominuten oberhalb von Gamlitz.

Der Salzburger lebt seit vier Jahren auf dem Weingut, mitten in den südsteirischen Weinbergen gelegen. Hier dreht sich alles um Genuss, den Rebensaft und Kulinarik.

Kurier/Jeff Mangione

Kaum vorstellbar, dass Kaltenböck noch vor Kurzem ein sehr asketisches Leben führte. „Mein großes sportliches Ziel waren die Olympischen Spiele in Vancouver, 2010. Damals hatte ich aufgrund einer vorangegangenen Verletzung keine guten Voraussetzungen, doch ich war dabei. Danach war klar: eine Entscheidung für mein weiteres berufliches Leben muss jetzt her,“ erzählt Bastian Kaltenböck, während er gekonnt Kaffee zubereitet.

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Die italienische Siebträgermaschine zeugt bereits davon: Bastian ist ein Genussmensch. „In meiner Zeit als Spitzensportler waren kulinarische Genüsse natürlich dünn gesät. Umso mehr lasse ich es mir jetzt gut gehen.“

Dass der Skispringer nun ausgerechnet im Weingut gelandet ist, erscheint auf den zweiten Blick allerdings gar nicht so verwunderlich: Auch hier arbeitet er im Einklang mit der Natur, auch hier spielen Wetter und Hänge eine große Rolle.

BAstian Kaltenböck

Die Wohnung des 39-Jährigen ist sehr minimalistisch eingerichtet. „Die traumhafte Landschaft spielt in meinem Haus die Hauptrolle.“ erzählt er mit einem zufriedenen Blick nach draußen. Denn, egal wo man sich in der 150 Quadratmeter großen Wohnung befindet, die Aussicht auf die sanften Hügel der Südsteiermark sind immer präsent.

Riesige Fensterfronten bilden die zurückhaltenden Rahmen für die pittoreske Landschaft. „Bilder an der Wand sind hier nicht notwendig. Ich habe hier Gemälde, die sich im Laufe des Jahres verändern und sogar täglich neue Reize bieten,“ schwärmt der Neo-Winzer.

Weingut NeueHeimat, Wein, Winzer, Bastian KaltenböckMARTIN STOEBICH/Weingut NeueHeimat / MARTIN STOEBICH/Weingut NeueHeimat

Weingut Neue Heimat, Gamlitz

Vom Gamlitzer Architekten Bernd Masser 2011 geplant, fügt sich das Gebäude beinahe organisch in das 35 Hektar umfassende Gelände. Eingebettet in die biologisch betriebenen Hänge befinden sich die Wirtschaftsräume im Keller des Hauses.

Ebenerdig wird Wein verkostet und verkauft, gelebt wird in den oberen Stockwerken. Begrünte Dächer und durch die Anordnung der Baukörper bedingt Freiräume rundherum machen das Weingut zum entspannenden Naturerlebnis.

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Wohnen mit Aussicht: Weingut Neue Heimat

Auf verschiedenen Ebenen kann man hier die Natur genießen. Mehrere Balkone bieten entweder Morgen- oder Abendsonne, der zu den Weinreben hin offene Garten ist terrassenförmig angelegt.

Reichhaltige Kräuter- und Gemüsebeete laden ebenso zum Naschen ein, wie prächtige Obstbäume. Süße Feigen wollen hier auch gepflückt werden. Der obligatorische Klapotetz fehlt auch hier im Weingarten nicht.

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Ein geschützter Innenhof auf der anderen Seite des Hauses wird von einem Laubengang begrenzt. Die Idylle wird nur vom Plätschern eines Brunnens unterbrochen. Im Schatten der vom Wilden Wein bewachsenen Pergola lässt sich der Blick auf das Umland genießen.

Weingut Neue HeimatKurier / Jeff Mangione

Begonnen hat alles 2010, als Genussprojekt von Bastians Vater, einem Sommelier und dessen holländischem Stammgast Ton Goedmakers. Die beiden Freunde haben ihre gemeinsame Leidenschaft in ein echtes Unternehmen verwandelt. Einige Zeit firmierten sie unter dem Namen Goed Winemakers, doch mit der Übergabe an die junge Generation sollte auch ein neuer Name her.

Für Bastian ergab sich dieser sehr natürlich: „Neue Heimat ist kein Marketing-Gag, sondern genau das, was es ist. Hier habe ich mein neues Zuhause gefunden und wurde hier von den umliegenden Winzern und Bauern auch sehr wohlwollend aufgenommen.“ Der nunmehrige Weinakademiker lenkt seit 2019 die Geschicke des Betriebes mit einer Rebfläche von rund elf Hektar.

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Unterstützt wird er dabei von einem vierköpfigen Team rund um Kellermeister Christian Söll, der aus der unmittelbaren Umgebung stammt. „Unser Fokus liegt auf Qualität und Authentizität. Wir greifen bei unseren Weinen so wenig ein, wie unbedingt notwendig“, betont Kaltenböck. Die jährlich etwa 35.000 Flaschen tragen deshalb auch das Label „Biowein“.

Am Ende finden sich dann doch noch einige Relikte aus Bastians früherem Leben: Eine ganze Wand voll unterschiedlicher Skier im Keller sind griffbereit. „Wenn es die Zeit zulässt, bin ich im Winter schon noch gern auf der Piste. Aber dieses neue Kapitel in meinem Leben macht mich sehr zufrieden“, gibt der Neo-Winzer zu und schenkt uns ein Glas Sauvignon Blanc ein ...

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