Balkon ist Trumpf: Gelungene Außenräume

Balkonbesitzer sind derzeit klar im Vorteil: Ausgesuchte Wohnbauten, die über funktionale Freiflächen verfügen.

Spätestens seit der Krise haben wir gelernt: Ein Balkon ist mehr als nur die Möglichkeit, kurz nach draußen zu treten. Er ist Erholungsort, Rückzugsmöglichkeit, Freizeitoase und Ort des sozialen Miteinanders. Aber Balkon ist nicht gleich Balkon. „Es kommt darauf an, welche Qualität dieser Freiraum hat“, sagt Markus Kaplan von BWM Architekten. Ist er von allen Seiten einsichtig, fühlt man sich wie auf dem Präsentierteller. Kurz: Damit es sich darauf gut entspannen lässt, muss ein Balkon Geborgenheit vermitteln und gemütlich sein.

Franz Ebner

Die Anlage an der Leyserstraße ist als Terrassenhaus konzipiert (BWM Architekten).

Terrassenhaus mit Pflanztrögen

Ein weiteres Beispiel findet man etwa in der Leyserstraße in Wien: Das von BWM Architekten im 14. Bezirk realisierte Gebäude ist als Terrassenhaus konzipiert. Es treppt sich entlang des Hangs ab und verfügt über Balkone aus verschiedenfarbig lasiertem Sichtbeton, die das gesamte Gebäude umrahmen. Mit diesem Entwurfsgedanken knüpfen die Architekten an die Bauweise von Harry Glück an, der in den 1970er Jahren in Alt Erlaa oder in der Hadikgasse die ersten großen Wohnbauten mit qualitativ hochwertigen Freiflächen samt Pflanztrögen und Bewässerungssystem errichtet hat.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgten die Architekten an der Brigittenauer Lände. Ein ehemaliges Bürogebäude wurde zum Wohnhaus umgebaut, jede Einheit erhielt einen Balkon. Kaplan: „Sie wurden als Zusatz an die Fassade montiert und sind wie Schmuckstücke mit goldenen Metallelementen verziert.“ Die Fassade erhielt einen dunkelgrauen Anstrich und bildet so einen eleganten Kontrast zu den Brüstungen.

Gerner Gerner Plus/ Matthias Raiger

Im Wolfshof (Gerner Gerner Plus) ragen holzverkleidete Balkone in den Innenhof.

Ausreichend Platz

Ein Balkon muss in erster Linie gut zu gebrauchen sein. Das Platzangebot sollte der Wohnungsgröße angepasst (ab sechs Quadratmeter beginnt ein Balkon gut nutzbar zu werden) und ein Wasseranschluss zum Bewässern der Pflanzen vorhanden sein. Für Boden und Wände können viele unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen. „Wir verwenden gerne Holz, das schafft Gemütlichkeit“, sagt Oliver Gerner. Ein Beispiel dafür ist der „Wolfshof“ im 12. Bezirk, ein ehemaliger Pharmabetrieb den Gerner Gerner Plus zum Wohnhaus umgebaut haben. Gerner: „Wir haben die Bausünden aus den 1960er-Jahren zurückgebaut, den Innenhof aufgeweitet und begrünt.“ So ist ein lebendiger Außenraum entstanden, der zum Verweilen einlädt.

Es muss nicht immer ein Balkon sein 

Auch auf Wegen und Gängen lässt sich das Leben im Freien hervorragend genießen. Wie das etwa aussehen kann, zeigen die Bewohner von AST in Aspern (AllesWirdGut): Die Laubengänge, die auf jedem Stockwerk maximal acht Wohnungen zu Hausgemeinschaften zusammenbinden, sind gleichzeitig Erweiterung des Hofes und damit nutzbarer Freiraum. Während der Krise wurden die sonnigen Wege entlang der Fassade zur Bühne. 

Großes Augenmerk auf Freibereiche legten auch Berger + Parkkinen beim Holzwohnbau in der Seestadt Aspern. Dem Konzept liegt die Idee zugrunde, ein nachbarschaftliches Leben zu ermöglichen und gemeinschaftliche Zugangsbereiche zu den Wohnungen zu schaffen. Die 213 Wohnungen der Anlage, die aus mehreren Bauteilen besteht, werden über Laubengänge erschlossen. Weit auskragende Loggien und Balkone aus Beton bilden einen Kontrast zur Lärchenfassade. „Herzstück ist ein Innenhof mit Sitz- und Spiellandschaften, wo spontane Zusammentreffen möglich sind“, sagt Architekt Alfred Berger.

Hertha Hurnaus

Herzstück des Holzwohnbau in Aspern (Berger + Parkkinen) ist die  Sitz- und Spielfläche im Innenhof 

Für Wohungssuchende

In Wien werden laufend neue Wohnprojekte mit einem besonderen Fokus auf Freiräume realisiert. In Liesing etwa entsteht der neue Stadtteil kuku23, wo Schenker Salvi Weber in Kooperation mit Dietrich Untertrifaller eine Wohnbebauung in der Gastgebgasse errichten (Fertigstellung 2023). Die Häuserblöcke mit Loggien, gemeinschaftlichen Dachterrassen und Erdgeschoßzonen gliedern das neue Quartier im Süden Wiens. Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebot sind ebenso geplant wie Ateliers für Kreative und das Kleingewerbe.

Im sechsten Bezirk nahe des Raimund Theaters haben BWM Architekten soeben ein modernes Projekt mit 40 Eigentumswohnungen, die jeweils über Balkon, Loggia, Terrasse oder Garten verfügen, fertiggestellt. Freie Wohnungen sind noch zu haben. Ein weiteres Projekte das diesen Sommer fertig wird, befindet sich am Modenapark: Anstelle eines ehemaligen Amtsgebäudes entstehen drei neue Häuser mit Kleinstwohnungen sowie größeren, familiengerechten Wohnungen. Ein neuen Wohnbaus realisieren BWM Architekten derzeit auch in der Breitenseer Straße: Bis 2021 sollen 134 freifinanzierten Eigentumswohnungen mit Blick auf die Gloriette  entstehen. 

image by www.oln.at/Office Le nomade

„WDFA“ im neuen Stadtteil „An der Schanze“ soll einen Kindergarten, Spielpläze und Gemeinschaftsräume erhalten. 

Im neuen Quartier „An der Schanze“ werden auf zehn Bauplätzen etwa 1400 neue Wohnungen  für rund 3100 Menschen errichtet. Unter anderem konnte querkraft architekten die Jury mit ihrem Projekt „WDFA“ überzeugen. Zentral ist das Motto „Leben auf allen Ebenen“: Das Erdgeschoß ist geprägt durch das lebendige Treiben des Kindergartens, dessen Freibereich im Hof der Anlage liegt. Als weiterer Treffpunkt dient ein Gemeinschaftsraum im vierten Stock mit vorgelagerter Terrasse für Urban Gardening. Die Fertigstellung soll 2023 erfolgen.